Seden Bugur verschiebt ihre Grenzen

Das Buch, das Seden Bugur gerade liest, ist „Der Alchemist“. Es ist die Geschichte eines jungen Andalusiers, der davon träumt, die weite Welt kennenzulernen. Der Traum der 19 Jahre alten Berlinerin begann durchaus irdisch. Und er hatte mit einer ihrer Schwestern zu tun.

Weil Gizem Bugur bei einem Karate-Turnier einen Pokal gewonnen hatte, ließ die kleine Seden ihren Vater wissen: So einen Pokal will ich auch. Jahre später steht die Berlinerin bei der Premier League in Portugal als Dritte auf dem Treppchen. Nach diversen Pokalen bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften sowie vorderen Plätzen bei Welt- und Europameisterschaften ist dieser dritte Platz das beste Resultat ihrer noch jungen Karriere – und der Grund für die Wahl zu Berliner Nachwuchssportlerin des Monats Juni.

„Da ist noch Luft nach oben“, sagt die Studentin der Wirtschaftskommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, auch wenn sie zugibt, dass man bei fünf bis sechs Mal Training in der Woche „schon an seine Grenzen kommt“. Doch Grenzen sind da, um sie zu verschieben. Bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles zum Beispiel.

Seden Bugur ist fasziniert von Muhammad Ali

„Das muss unbeschreiblich sein“, sagt Seden Bugur, die die Entwicklung ihres Sports im Kreise der olympischen Familie mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge beobachtet. „Es ist schön, dass Karate überhaupt schon im olympischen Programm war“, erklärt die Berlinerin. Dass Karate nach Olympia 2021 in Tokio bei den nächsten Spielen 2024 in Paris aber wieder nicht dabei ist, „ist schon sehr traurig“.

Es ist jedoch nichts, was die stets positiv auftretende Kämpferin des SC Banzai aus der Bahn werfen würde. „Denke positiv und positive Dinge werden geschehen“, lautet eines ihrer Mottos. Und es passt ins Bild, dass sie sich Bertolt Brecht („Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“) und Muhammad Ali als Vorbilder ausgesucht hat. Die Box-Ikone „fasziniert mich mit seinem einzigartigen Kampfstil, seinen Techniken sowie Reflexen“.

Dabei ist Karate weit komplexer, wie Seden Bugur erklärt: „Treten wie beim Taekwondo, Schlagen wie beim Boxen, Fegen wie beim Judo – deshalb fasziniert mich dieser Sport.“ Und weil die Familie Bugur im Karate praktisch zu Hause ist. Vater Veysel Bugur war zweimal Weltmeister, heute trainiert er Seden. Dann sind da noch die älteste Schwester Duygu, WM- und EM-Zweite, und eben Gizem.

Seden Bugur kämpft auch für ihren Sport

Die türkischstämmige Familie dient damit nicht nur als Beispiel für gelungene Integration, sondern sie tritt auch in jedem Kampf an, um ihre Sportart populärer zu machen. „Karate ist nicht so beliebt wie zum Beispiel Fußball, weil es doch viele Regeln gibt“, sagte Seden Bugur. Doch sich eben dieser Herausforderung immer wieder zu stellen, ist für die Berlinerin ebenfalls Antrieb.

Wie heißt es doch so schon beim „Alchemist“: Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht das Leben lebenswert. Der Traum von Seden Bugur hat gerade erst begonnen.

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